Dr. Andreas Hansert

Historiker und Soziologe

Texte, Recherchen und Ausstellungen zu Geschichte, Kultur und Gesellschaft





Aktuelles

 

aktuelle Projekte:Neuerscheinung

Vor Kurzem erschienen:
die Biographie der Frankfurter Patrizierin, Pietistin und Stifterin Justina Catarina von Cronstetten (1677-1766), publiziert in er der Reihe Mäzene, Stifter Stadtkultur der Frankfurter Bürgerstiftung, Frankfurt 2016


Senckenbergmuseum in der NS-Zeit

Recherche zur Geschichte des Senckenberg-Museums und der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in der NS-Zeit.

Die Senckenberg-Gesellschaft begeht im November 2017 ihr 200jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass lässt die Gesellschaft ihre Geschichte während der NS-Zeit intensiv untersuchen. Grundlage ist ein gut geordnetes Archiv der Gesellschaft.
Zum Jubiläum wird eine Publikation erarbeitet.
Während sich die bisherige Geschichtsschreibung am Senckenbergmuseum stark an den Rechtfertigungsbemühungen orientierte, die die Hauptverantwortlichen, insbesondere Museumsdirektor Rudolf Richter nach 1945 betrieben haben, wird hier eine Rekonstruktion des Geschehens und des Verhaltens an Dokumenten aus der Zeit selbst vorgenommen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass partiell starke Korrekturen am Geschichtsbild des Hauses erforderlich sind.
Das derzeit entstehende Buch erscheint im November 2017 im Wallstein-Verlag Göttingen. Gegen Ende des Jahres werden die Ergebnisse auch in Form von Vorträgen vorgestellt.


Offenbacher Kultur in der NS-Zeit

Recherchen zur NS-Geschichte der Kulturinstitute der Stadt Offenbach in der NS-Zeit: Technische Lehranstalten (Vorgängerin der Hochschule für Gestaltung), Deutsches Ledermuseum, Fa. Klingspor u. a.)

Neben institutionellen Belangen stehen die Hauptakteure im Zentrum: Professor Hugo Eberhardt (1874-1959) ‒ in Personalunion Direktor der Schule und Initiator und Leiter des Ledermuseums ‒, Karl Klingspor (1868-1950) und (zumindest anfänglich, aber auch in seiner posthumen Wirkung) der Schriftkünstler Rudolf Koch (1876-1934). Insbesondere Hugo Eberhardt stand einerseits in einer konfliktreichen Beziehung zu niedrigen Parteichargen und NS-Aktivisten aus der Frühzeit des Dritten Reiches (etwa angesichts der Bücherverbrennung im Mai 1933 oder schwerer Denunziationskampagnen gegen ihn und gegen die Schule). Andererseits arrangierte er sich sehr schnell mit führenden staatlichen Repräsentanten des Regimes (insbesondere mit dem Gauleiter, dem Oberbürgermeister, der Ministerialbehörden). Intensiv war er, aber auch die Lehrerschaft insgesamt, darum bemüht, das Erscheinungsbild der Schule ganz auf die NS-Kulturpolitik auszurichten oder warb beharrlich bei den höchsten Vertretern des Regimes um Unterstützung für das Ledermuseum. Dies alles geschah ohne nennenswerte Parteibindung: Erst nach seiner Pensionierung an der Schule trat er 1941 wegen erhoffter besserer Förderungsmöglichkeiten für das Ledermuseum der NSDAP bei. Bislang noch nicht ausgewertete Dokumente deuten darauf hin, dass er bereit war, sich in seinen Handlungen und Haltungen auch in Bereiche vorzuwagen, die aus heutiger Sicht problematisch erscheinen. Vieles davon war in der Nachkriegszeit jedoch nicht bekannt, bzw. wollte nicht zur Kenntnis genommen werden. Seine Lebensarbeit wurde in der jungen Bundesrepublik mit der Ehrenbürgerwürde und dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. 

Der Projekt verucht die Herausforderung darzustellen, vor der die damals verantwortliche Generation von Akteuren durch den zweifachen jähen Systemumbruch von 1933 und 1945 historisch gestellt war, und thematisiert angesichts dieser Rahmenbedingungen die ausgesprochen widersprüchlichen und schillernden Biographien der Protagonisten des Offenbacher Kulturlebens und der Geschichte seiner Institutionen.

Für Anfang 2019 soll es zu dem Thema eine Buchpublikation geben. 


Das Projekt wird gemeinsam getragen von der Stadt Offenbach und der Hochschule für Gestaltung. 


 

weiteres Projekt:

Mitarbeit an der Edition des Briefwechsels zwischen Ludwig Börne und Jeanette Wohl 1830-1833.
Es handelt sich um ein Briefkonvolut, aus dem Jeanette Wohl durch intensive Redaktionsarbeit dann die sogenannten "Pariser Briefe" entwickelte. Die Edition wird den zugrundeliegenden Orginalbriefwechsel vorstellen.
Herausgeber sind Prof. Dr. Andreas Schulz (Berlin), Prof. Dr. Andreas Fahrmeir (Frankfurt) und Prof. Dr. Christian Wiese (Frankfurt)

zuletzt gehaltene Vorträge:







Vortragsankündigungen:
Wege einer Sammlung. - Das Schicksal der Sammlung Robert von Hirschs
m Institut für Stadtgeschichte am 12.12.2016 im Rahmen der aktuell laufenden Vortragsreihe zu Fragen der Provenienzforschung



Vorträge zu den Ergebnisse des aktuell laufenden Projekts "Senckenberg-Museum in der NS-Zeit" auf der Mitglieder Versammlung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im November und am 4. Dezember 2017, 18.30 Uhr im Institut für Stadtgeschichte.

Aktuelle und jüngst erschienene
Publikationen:

Justina Catharina Steffan von Cronstetten (1677-1766)
Frankfurt 2016


Artikel zur Familie Hirsch und zu Robert von Hirsch, in:

www.frankfurter-personenelexikon.de/node/4248 9


Geburtsaristokratische Herrschaft in der Stadtrepublik. Das Patriziat der Reichsstadt Frankfurt am Main, in: Beziehungen Vernetzungen Konflikte. Perspektiven Historischer Verwandtschaftsforschung, hg. v. Christine Fertig und Margareth Lanzinger, Köln, Weimar, Wien 2016, S. 67-90



Mehrere Beiträge im Ausstellungskatalog des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz: Schrei nach Gerechtigkeit. Leben am Mittelrhein am Vorabend der Reformation, hg. v. Winfried Wilhelmy, Regensburg 2015

Artikel zu Max Beckmann, in: www.frankfurter-personenlexikon.de






Berichte, Rezensionen
in Zeitschriften und Medien:
"Schnell auf die Nazis gesetzt" - Bericht über das Forschungsprojekt zu Offenbach in der NS-Zeit in der FR v. 4.1.2017

Fachrezensionen des Buches "Geburtsaristokratie in Frankfurt am Main", Böhlau 2014:
- Pierre Monnet 
in: Le Moyen Age (3-4/2014, S. 777ff.)
- Mark Häberlein in: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 102. Band, Heft 1 (2015), S. 99f.
- auch in: Archiv für Reformationsgeschichte Jg. 43 (2014)
- Barbara Dölemeyer, in: Hessische Annalen (2015)
- Michael Hecht, sehepunkte 15 (2015), Nr. 10
- Joachim Wahley, English Historical Review (Februrary 2016)
- Oktober 2016 in der Historischen Zeitschrift



Leserbrief in der FAZ
zum Thema "Inzest und Klonen"

(vom letzten Satz abgesehen)
publiziert in der Ausgabe vom 22.05.2013

Die Erzeugung eines Menschen durch Klonen ist durch die Arbeit von Shoukhrat Mitalipov an der Oregon Health and Science University seit Mai 2013 möglich und damit auch empirisch wahrscheinlich geworden. Meines Erachtens handelt es sich beim Klonen eines Menschen um so etwas wie die technologische Potenzierung und Radikalisierung des Inzests. Das Inzesttabu, das in verschiedenen Formen und Reichweiten in allen Kulturen, in geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen seinen Ausdruck findet, verbietet es, dass der Sohn mit der Mutter, der Vater mit der Tochter und meist auch der Bruder mit der Schwester Kinder zeugt. Wo der Vater mit der Tochter ein Kind hervorbringt, liegt eine so extreme Störung und Zerstörung der Triade von Vater, Mutter und Kind vor, dass sie sich als Triade kaum mehr darstellen lässt. Nach Lévi-Strauss besagt das Inzesttabu, Du sollst dich in der Wahl Deines Partners nicht an den nächsten Verwandten halten, sondern nach außen orientieren, mit „Fremden“ eine Familie gründen und in der Person des Kindes so eine neue soziale (und genetische) Kombinationen herstellen. Beim Klonen wird dieses schöpferisch Neue am Kind radikal negiert. Das geklonte Kind ist eben nichts Neues, sondern von seiner Anlage her das absolut Gleiche dessen, was in meiner Person schon da ist. Darin haben Inzest und Klonen Ähnlichkeit. Wenn man aus guten Gründen daher den Inzest (mindestens den von Verwandten in absteigender Linie) überall gesetzlich verbietet, ist ein gesetzliches Verbot des reproduktiven Klonens nicht minder evident.

So wie es – von Ödipus bis zum Fall Amstetten – aller Tabuisierungen und gesetzlicher Verbote zum Trotz Inzest aber doch immer wieder gegeben hat und geben wird, wird sich auch kaum verhindern lassen, dass künftig in der Illegalität vereinzelt Menschen geklont werden. Denn es wird immer Menschen geben, die davon träumen, aus eigener Vollkommenheit zu einem Kind zu kommen, d. h. ohne sich sexuell und sozial, oder mindestens durch künstliche Befruchtung mit einem gegengeschlechtlichen Partner einlassen zu müssen. Nicht ausgeschlossen, dass die jetzt stattgehabte Erfindung des reproduktiven Klonens – um an eine andere aktuelle Debatte anzuknüpfen – aus eben diesem Grund auch die Phantasie Homosexueller beflügeln.