Dr. Andreas Hansert

Historiker und Soziologe

Texte, Recherchen und Ausstellungen zu Geschichte, Kultur und Gesellschaft





Aktuelles

 

aktuelle Projekte:Neuerscheinungen

Im Januar 2018 erscheint folgendes Buch:

Das Senckenberg-Forschungsmuseum im Nationalsozialismus
Wahrheit und Dichtung
Wallstein Verlag Göttingen 2018



Zuletzt erschienen:


„… Frau von Schnitzler, reich, mondän und ziemlich intellektuell …“ – Der Salon der Lilly von Schnitzler im Frankfurt der 20er und 30er Jahre, in: Frankfurter Frauengeschichte(n), Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Bd. 77, hg. von Evelyn Brockhoff und Ursula Kern, Frankfurt 2017, S. 206-220


Sammelleidenschaft ohne Augenmaß. Hugo Eberhardt und das Deutsche Ledermuseum im Nationalsozialismus, in: Leder. Welt. Geschichte. 100 Jahre Deutsches Ledermuseum (1917–2017), hg. v. Inez Florschütz, Bielefeld, Berlin 2017, S. 207-217


die Biographie der Frankfurter Patrizierin, Pietistin und Stifterin Justina Catarina von Cronstetten (1677-1766), publiziert in er der Reihe Mäzene, Stifter Stadtkultur der Frankfurter Bürgerstiftung, Frankfurt 2016


Senckenbergmuseum in der NS-Zeit

Recherche zur Geschichte des Senckenberg-Museums und der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in der NS-Zeit.

Die Senckenberg-Gesellschaft begeht im November 2017 ihr 200jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass lässt die Gesellschaft ihre Geschichte während der NS-Zeit intensiv untersuchen. Grundlage ist ein gut geordnetes Archiv der Gesellschaft.
Zum Jubiläum wird eine Publikation erarbeitet.
Während sich die bisherige Geschichtsschreibung am Senckenbergmuseum stark an den Rechtfertigungsbemühungen orientierte, die die Hauptverantwortlichen, insbesondere Museumsdirektor Rudolf Richter nach 1945 betrieben haben, wird hier eine Rekonstruktion des Geschehens und des Verhaltens an Dokumenten aus der Zeit selbst vorgenommen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass partiell starke Korrekturen am Geschichtsbild des Hauses erforderlich sind.
Das derzeit entstehende Buch erscheint im Januar 2018 im Wallstein-Verlag Göttingen. Zu Beginn des neuen Jahres werden die Ergebnisse auch in Form von Vorträgen vorgestellt.


Offenbacher Kultur in der NS-Zeit

Recherchen zur NS-Geschichte der Kulturinstitute der Stadt Offenbach in der NS-Zeit: Technische Lehranstalten (Vorgängerin der Hochschule für Gestaltung), Deutsches Ledermuseum, Fa. Klingspor u. a.)

Neben institutionellen Belangen stehen die Hauptakteure im Zentrum: Professor Hugo Eberhardt (1874-1959) ‒ in Personalunion Direktor der Schule und Initiator und Leiter des Ledermuseums ‒, Karl Klingspor (1868-1950) und (zumindest anfänglich, aber auch in seiner posthumen Wirkung) der Schriftkünstler Rudolf Koch (1876-1934). Insbesondere Hugo Eberhardt stand einerseits in einer konfliktreichen Beziehung zu niedrigen Parteichargen und NS-Aktivisten aus der Frühzeit des Dritten Reiches (etwa angesichts der Bücherverbrennung im Mai 1933 oder schwerer Denunziationskampagnen gegen ihn und gegen die Schule). Andererseits arrangierte er sich sehr schnell mit führenden staatlichen Repräsentanten des Regimes (insbesondere mit dem Gauleiter, dem Oberbürgermeister, der Ministerialbehörden). Intensiv war er, aber auch die Lehrerschaft insgesamt, darum bemüht, das Erscheinungsbild der Schule ganz auf die NS-Kulturpolitik auszurichten oder warb beharrlich bei den höchsten Vertretern des Regimes um Unterstützung für das Ledermuseum. Dies alles geschah ohne nennenswerte Parteibindung: Erst nach seiner Pensionierung an der Schule trat er 1941 wegen erhoffter besserer Förderungsmöglichkeiten für das Ledermuseum der NSDAP bei. Bislang noch nicht ausgewertete Dokumente deuten darauf hin, dass er bereit war, sich in seinen Handlungen und Haltungen auch in Bereiche vorzuwagen, die aus heutiger Sicht problematisch erscheinen. Vieles davon war in der Nachkriegszeit jedoch nicht bekannt, bzw. wollte nicht zur Kenntnis genommen werden. Seine Lebensarbeit wurde in der jungen Bundesrepublik mit der Ehrenbürgerwürde und dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. 

Der Projekt verucht die Herausforderung darzustellen, vor der die damals verantwortliche Generation von Akteuren durch den zweifachen jähen Systemumbruch von 1933 und 1945 historisch gestellt war, und thematisiert angesichts dieser Rahmenbedingungen die ausgesprochen widersprüchlichen und schillernden Biographien der Protagonisten des Offenbacher Kulturlebens und der Geschichte seiner Institutionen.

Für Anfang 2019 soll es zu dem Thema eine Buchpublikation geben. - Einen vorläufigen Einblick gewährt auch ein Aufsatz über Hugo Eberhardt im NS, der Mitte September 2017 im Katalog des Deutschen Ledermuseums aus Anlass von dessen Hundertjahresjubiläum erscheint.


Das Projekt wird gemeinsam getragen von der Stadt Offenbach und der Hochschule für Gestaltung. 


 

weiteres Projekt:

Mitarbeit an der Edition des Briefwechsels zwischen Ludwig Börne und Jeanette Wohl 1830-1833.
Es handelt sich um ein Briefkonvolut, aus dem Jeanette Wohl durch intensive Redaktionsarbeit dann die sogenannten "Pariser Briefe" entwickelte. Die Edition wird den zugrundeliegenden Orginalbriefwechsel vorstellen.
Herausgeber sind Prof. Dr. Andreas Schulz (Berlin), Prof. Dr. Andreas Fahrmeir (Frankfurt) und Prof. Dr. Christian Wiese (Frankfurt)

zuletzt gehaltene Vorträge:







Vortragsankündigungen:
Wege einer Sammlung. - Das Schicksal der Sammlung Robert von Hirschs
am Institut für Stadtgeschichte am 12.12.2016 im Rahmen der aktuell laufenden Vortragsreihe zu Fragen der Provenienzforschung



Vorträge zu den Ergebnisse des  Projekts "Senckenberg-Museum in der NS-Zeit" im Senckenberg-Museum am 29.1.2018 und am 12. Februar 2018, 18.30 Uhr im Institut für Stadtgeschichte.

Berichte, Rezensionen
in Zeitschriften und Medien:
"Schnell auf die Nazis gesetzt" - Bericht über das Forschungsprojekt zu Offenbach in der NS-Zeit in der FR v. 4.1.2017

Fachrezensionen des Buches "Geburtsaristokratie in Frankfurt am Main", Böhlau 2014:
- Pierre Monnet 
in: Le Moyen Age (3-4/2014, S. 777ff.)
- Mark Häberlein in: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 102. Band, Heft 1 (2015), S. 99f.
- auch in: Archiv für Reformationsgeschichte Jg. 43 (2014)
- Barbara Dölemeyer, in: Hessische Annalen (2015)
- Michael Hecht, sehepunkte 15 (2015), Nr. 10
- Joachim Wahley, English Historical Review (Februrary 2016)
- Oktober 2016 in der Historischen Zeitschrift
Leserbrief an die FAZ
zum Thema "drittes Geschlecht"
insbesondere zu Stefan Hirschausers Artikel
"Im Zwischenraum der Geschlechter"
in der FAZ v. 10.1.2017

der Leserbrief erschien in leicht redigierter
Fassung in der FAZ v. 16.11.2017






Hirschauer legt klar, wie in der modernen Gesellschaft die Kategorie des Geschlechts in gewisser Hinsicht an Bedeutung verliert: bei der Vergabe von Zensuren, bei Gerichtsurteilen, beim Beruf, wo die berufliche Identität für die Person oft wichtiger wird als die geschlechtliche. Das eröffne auch für Menschen, die eine der verschiedenen Varianten des „dritten Geschlechts“ personifizieren (Intersexuelle, Transsexuelle, schon lange Homosexuelle) neue Entfaltungsmöglichkeiten. Nach der „Ehe für alle“ etc. sollen mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts diese Möglichkeiten jetzt auch rechtlich weiter kodifiziert werden. Der permanente Zugewinn an individueller Freiheit, der ein generelles und grundlegendes Charakteristikum der modernen westlichen Gesellschaft ist, findet so auch in der Sphäre des Geschlechts seinen Ausdruck.

Es gibt einen entscheidenden Punkt, an dem sich die quirlige Vielfalt, in der uns die Geschlechtlichkeit immer mehr erscheint, mit großer Klarheit auf das Binäre von Mann und Frau zusammenzieht: die Fortpflanzung. Fortpflanzen kann ein Individuum sich nur entweder durch Gebären oder durch Zeugen, nur als Frau oder als Mann – oder eben, wie das „dritte Geschlecht“, gar nicht. Jedes Individuum ist universell von einer der beiden geschlechtlich gegebenen Möglichkeiten, an der Fortpflanzung teilzuhaben, definitiv ausgeschlossen (oder von beiden), weshalb Mann und Frau zusammenkommen müssen (und sei es in der Petrischale). Da es hier um nichts weniger als um die Hervorbringung der nächsten Generation oder schlicht um die Zukunft der gesamten Art geht, ist diese Frage nicht marginal.

Die freie, jetzt auch vom Verfassungsgericht protegierte Entfaltung aller individuellen Varianten des Geschlechts und des Sexuellen ist begrüßenswert. Zum universalen Motiv der Familiengründung und der dafür unerlässlichen Heterosexualität steht sie gleichwohl in einer unaufhebbaren Spannung. Von hier her wird der Gegenwind naturgemäß nie nachlassen. Mehr denn je können die bunten Drachen ihn jetzt ab dazu nutzen aufzusteigen.



10.11.2017